Geschichte

Die Lederfabrik wurde 1959 von Golmud (Westchina) nach Lhasa verlegt. Die Produktion wurde 1960 aufgenommen, wobei die Abwässer ungereinigt in den Lhasa-Fluß geleitet wurden. Von 1989 bis 1997 erhielt die Lhasa Lederfabrik deutsche Entwicklungshilfe. Unter Einsatz von Experten aus Deutschland, Österreich und Polen wurde als erstes die Lösung des Abwasserproblems angegangen. Durch neue Maschinen, Verfahren und umweltverträglicherer Technologie wurde die Produktion modernisiert. Weitere Unterstützung erfolgte durch Beratung beim Design, der Qualitätssicherung und -kontrolle, bei der Vermarktung und beim Management.

Seit 1993 hat die Fabrik den Sonderstatus 'Joint-Venture'. Dies ist ungewöhnlich, weil ein ausländischer Partner fehlt. Der große Vorteil liegt darin, daß die Fabrik auf eigene Rechnung Produkte exportieren kann. Sie kann über die Erlöse frei verfügen und mit den Devisen Chemikalien, Zubehör und Maschinen importieren.

Die Lhasa Lederfabrik beschäftigt ca. 350 Arbeitnehmer in der Lederfabrik (Gerberei mit Wasserwerkstatt und Zurichtung) und der Schuhfabrik, Lederwarenfabrik, sowie des Maschinen-Workshops. Neunzig Prozent von ihnen sind Tibeter, die restlichen zehn Prozent Han-Chinesen. Vierzig Prozent der Belegschaft sind Frauen und sechzig Prozent Männer.

Neben einem Bürogebäude besitzt die Fabrik ein mit modernen Geräten ausgestattetes Labor. Die lokal produzierten Lederwaren und Schuhe werden in Lhasa in eigenen Läden und in mehreren Verkaufsstellen angeboten und erfreuen sich bei der Bevölkerung großer Beliebtheit.

Die Fabrik verfügt über Werkswohnungen, die zu einem symbolischen Preis vermietet werden. Als zusätzliche soziale Einrichtungen gibt es einen Kindergarten, ein Badehaus, eine Schule (mit ca. 180 Schülern in 6 Klassen mit 12 Lehrern), eine Krankenstation mit zwei Ärzten und eine Versammlungshalle. Das Werk verfügt über eine eigene Trinkwasserversorgung. Die Entlohnung besteht aus einem Grundlohn und Prämien. Die Beschäftigten der Gerberei, in der wegen der Witterungsverhältnisse von Mitte November bis Ende Februar nicht gearbeitet werden kann, erhalten für diese Zeit ihren Grundlohn weiter. Die Fabrik versorgt ca. 230 Rentner.